Wenn Menschen von Schreibblockaden sprechen, stellen sie sich häufig vor, dass einem plötzlich keine Ideen mehr kommen. Für mich sah das selten so aus. Meine größte Herausforderung war nie die fehlende Kreativität. Es war der Alltag. Ein anspruchsvoller Beruf, Termine, Projekte und andere Verpflichtungen sorgen dafür, dass das Schreiben tage- der sogar wochenlang in den Hintergrund rückt. Das Problem beginnt jedoch nicht mit der Pause. Es ist die Rückkehr. Der schwierigste Satz war für mich nie der erste. Nach einer längeren Unterbrechung fühlt sich die eigene Geschichte plötzlich fremd an. Wo war ich eigentlich stehen geblieben? Welche Informationen kennen die Leser bereits? Habe ich selbst was vergessen? Je länger die Pause dauert, desto größer wird die Hürde, wieder einzusteigen. Man hat das Gefühl, erst das halbe Buch erneut lesen zu müssen, bevor überhaupt ein neuer Satz entstehen kann. Ich habe festgestellt, dass die besten Ausreden immer die glaubwürdigsten waren. Mit der Zeit entwickelt man erstaunlich überzeugende Argumente, warum genau heute nicht der richtige Tag zum Schreiben ist. Es ist schon zu spät. Für eine halbe Stunde lohnt es sich ohnehin nicht. Ich habe so lange nichts gemacht. Dann kann ich auch bis nächste Woche warten. Das Gemeine daran ist, dass diese Gedanken vernünftig klingen. Doch jede weitere Woche macht den Wiedereinstieg nicht leichter. Meine Lösung lautet lieber kleine Ziele als große Vorsätze. Irgendwann habe ich festgestellt, dass ich nicht Motivation brauchte, sondern eine niedrige Einstiegshürde. Statt mir vorzunehmen, ein Kapitel zu schreiben, setzte ich mir Minimalziele. Ich lese eine Seite. Ich schreibe einen Absatz. Ich denke den Plot für fünf Minuten weiter. Diese Ziele waren bewusst so klein gewählt, dass es kaum einen Grund gab, sie nicht umzusetzen. Und genau darin lag ihre Stärke. Aus einer gelesenen Seite wurden oft fünf. Aus einem Absatz wurden mehrere. Aus fünf Minuten Nachdenken entwickelte sich plötzlich die Lösung für einen Konflikt, an dem ich zuvor tagelang festhing. Der schwierigste Teil war nie das Schreiben selbst. Es war der Moment, wieder konsequent anzufangen. Fortschritt entsteht selten spektakulär. Heute glaube ich, dass viele Bücher nicht daran scheitern, dass ihren Autorinnen oder Autoren die Ideen ausgehen. Sie scheitern daran, dass die Einstiegshürde nach einer Blockade immer größer wird. Wer darauf wartet, wieder einen ganzen freien Nachmittag oder den perfekten kreativen Moment zu haben, wartet oft sehr lange. Deshalb habe ich mir angewöhnt, lieber etwas zu machen als gar nichts. Eine gelesene Seite ist mehr als keine. Ein geschriebener Absatz bringt die Geschichte und mich weiter. Ein neuer Gedanke kann ausreichen, um die Handlung wieder in Bewegung zu setzen.
Mein Fazit
Ich glaube nicht mehr an den perfekten Zeitpunkt für Projekte. Es gibt nur den Moment, in dem man anfängt. Manchmal besteht dieser Anfang lediglich aus einer Seite, einem
Absatz oder einem einzigen Gedanken. Oft reicht aber genau das aus, damit aus einem kleinen Schritt wieder eine Stunde konzentrierter Arbeit wird. Heute sehe ich Schreibblockaden gelassener als früher. Sie sind für mich keine Sackgasse, sondern kreative Pausen. Ideen verschwinden nicht einfach. Manchmal brauchen sie Zeit, um sich weiterzuentwickeln.

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