Zwei Welten. Dieselbe Arbeitsweise.
Häufig reagieren Menschen überrascht, wenn sie erfahren, dass ich hauptberuflich im Treasury einer arbeite und mich parallel als Autor versuche.
Von morgens bis manchmal in den Abend hinein beschäftige ich mich mit den Finanzmärkten. Gestern durfte ich, wie jedes Jahr, an der Bepreisung und Refinanzierung des Hessischen Investitionsfonds mitarbeiten. Gemeinsam mit meinen Kolleginnen und Kollegen wurden die Finanzierungskonditionen kalkuliert und die notwendige Refinanzierung am Kapitalmarkt eingeworben. Erst wenn die Mittel erfolgreich aufgenommen sind, können hessische Kommunen ihre Investitionen zu attraktiven Konditionen finanzieren. In diesem Jahr erreicht der Fonds mit rund 459 Millionen Euro sogar ein Rekordvolumen für 144 kommunale Projekte.
Solche Aufgaben verlangen höchste Präzision. Die Zahlen müssen stimmen. Selbst minimale Abweichungen in der vierten Nachkommastelle können Auswirkungen im sechsstelligen Bereich haben. Annahmen müssen fachlich fundiert und nachvollziehbar sein. Entscheidungen haben unmittelbare Konsequenzen und unsere Arbeit trägt dazu bei, dass öffentliche Investitionen möglich werden.
Abends beginnt dann eine völlig andere Welt. Oder zumindest dachte ich das.
Nach Feierabend wollte ich endlich meinen ersten richtigen Instagram-Beitrag veröffentlichen. Die Bilder waren vorbereitet. Die Texte geschrieben. Eigentlich eine Sache von zehn Minuten.
Dachte ich.
Zuerst stellte ich fest, dass die App auf dem Handy deutlich mehr Funktionen bietet als die Desktop-Version. Dennoch probierte ich Canva aus, nur um später zu festzustellen, dass Instagram viele der gewünschten Funktionen in der Smartphone-App selbst mitbringt. Animationen funktionierten dort sogar besser. Nach intensiver Content-Arbeit durfte ich dann feststellen, dass sich mehrere Beitragsentwürfe im Nachhinein gar nicht zu einem einzigen Beitrag zusammenführen lassen.
#Neustart
Aus zehn Minuten wurden mehrere Stunden. Und trotzdem war dieser Abend alles andere als verschwendet.
Denn plötzlich wurde mir klar, dass ich gerade etwas völlig Neues lernte. Nicht das Schreiben eines Romans, sondern das Erzählen einer Geschichte auf Social Media. Bildgestaltung. Timing. Formate. Reichweite. Alles Themen, mit denen ich mich vorher kaum beschäftigt hatte.
Es erinnerte mich an das Schreiben von Official Truth.
Auch dort bestand der größte Teil der Arbeit nicht aus Inspiration, sondern daraus, Handlungen zu entwerfen, auszuprobieren und wieder zu verwerfen.
Vielleicht ist das die eigentliche Gemeinsamkeit zwischen beiden Welten.
Ob man Projekte refinanziert, einen Roman schreibt oder einen Instagram-Beitrag veröffentlicht: Am Ende sehen unsere Mitmenschen nur das Ergebnis. Unsichtbar bleiben die Stunden voller Recherche, kleiner Rückschläge, verworfener Ideen und neuer Erkenntnisse.
Und genau dort findet für mich das eigentliche Lernen statt.

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