Es gibt einen Gedanken, der viele gute Ideen scheitern lässt, noch bevor sie überhaupt begonnen haben: Was ist, wenn es nicht funktioniert? Diese Frage begleitet vermutlich jeden, er etwas Neues wagt. Ganz gleich, ob es darum geht, ein Buch zu schreiben, sich selbstständig zu machen oder sich ein künstlerisches Standbein aufzubauen. Ich kenne diesen Gedanken gut. Der schwierigste Schritt ist oft der erste. Eine Idee bleibt so lange perfekt, wie sie nur im eigenen Kopf existiert. Erst wenn man sie anderen zeigt, wird sie kritisch beäugt. Plötzlich kann jemand sagen, dass sie nicht gut ist. Dass sie nicht funktioniert. Oder dass sie schon tausendmal gescheitert ist. Genau deshalb fällt der zweite Schritt oft so schwer. Ideen braucht Geduld, wir leben in einer Zeit, in der vieles sofort funktionieren soll. Ein Social-Media-Kanal soll innerhalb weniger Wochen wachsen. Eine Website soll sofort Besucher anziehen. Ein Buch soll direkt zum Bestseller werden. Die Realität sieht häufig anders aus. Viele Projekte brauchen Monate oder sogar Jahre,
bis sich erste Erfolge zeigen. Wer nach zehn Wochen aufgibt, wird nie erfahren, was nach zehn Monaten möglich gewesen wäre. Das bedeutet nicht, stur an jeder Idee festzuhalten. Es bedeutet vielmehr, Rückschläge zu analysieren, aus ihnen zu lernen und bewusst zu entscheiden, welchen Schritt man als Nächstes geht.
Feedback gehört dazu. Wer etwas veröffentlicht, erhält Feedback. Nicht jedes davon ist angenehm. Als ich die ersten Rückmeldungen zu meinem Debütroman Official Truth erhielt, waren sie ehrlich und teilweise sehr deutlich. Neben positiven Anmerkungen wurden auch größere Schwächen angesprochen. Im ersten Moment tut so etwas weh. Mit etwas Abstand erkennt man jedoch, dass genau diese Rückmeldungen oft die wertvollsten sind. Niemand schreibt beim ersten Versuch ein perfektes Buch. Genauso wenig entwickelt jemand beim ersten Anlauf das perfekte Unternehmen oder die perfekte Idee. Fortschritt entsteht durch Verbesserung, nicht durch Perfektion. Für mich bedeutet Mut nicht, keine Angst zu haben, sondern trotz Bedenken weiterzumachen. Vor einigen Jahren verwendete mein Arbeitgeber den Hashtag #VoranScheitern.Der Gedanke dahinter ist mir bis heute im Kopf geblieben. Wer Neues ausprobiert, wird Fehler machen. Wer Verantwortung übernimmt, wird Entscheidungen treffen, die sich später vielleicht als falsch herausstellen. Das gehört dazu. Die sichere Variante wäre, gar nichts zu versuchen.
Ich stehe selbst am Anfang. Dieser Beitrag ist keine Rückschau auf einen abgeschlossenen Weg. Ganz im Gegenteil. Ich muss derzeit diesen Mut aufbringen, nicht beim Schreiben. Das Buch ist fertig. Jetzt beginnt ein neuer Abschnitt Marketing: Social Media, eine eigene Website und der direkte Kontakt zu Leserinnen und Lesern.
Es ist ungewohnt, die eigene Arbeit sichtbar zu machen. Niemand weiß vorher, welche Ideen funktionieren und welche nicht. Trotzdem glaube ich, dass es besser ist, etwas
auszuprobieren und daraus zu lernen, als sich später zu fragen, ob es vielleicht funktioniert hätte. Wir sollten uns bemühen, nicht nur die Risiken zusehen. Diese Erkenntnis begleitet mich Dank Richard Thaler (und Kahnemann Thinking Fast & Slow) auch im Berufsleben. Dieser schildert eine Diskussion mit den Leitern von 25 Geschäftsbereichen eines Unternehmens. Jeder Bereichsleiter sollte entscheiden, ob er ein riskantes Projekt mit positivem Erwartungswert eingehen würde. Keiner der Manager wollte das Risiko
übernehmen. Anschließend fragte Thaler den CEO, wie er entscheiden würde. Dessen Antwort lautete sinngemäß: „Ich möchte, dass sie alle diese Risiken eingehen.“ Der Grund ist spannend:
Der einzelne Manager bewertet das Risiko aus seiner persönlichen Perspektive. Scheitert sein Projekt, leidet seine Karriere. Gelingt es, ist der persönliche Gewinn oft
begrenzt. Der CEO betrachtet dagegen das gesamte Portfolio aller Projekte. Er weiß, dass einige Projekte scheitern werden, andere aber den Gesamterfolg des Unternehmens deutlich steigern. Aus Sicht des Unternehmens ist es deshalb rational, mehrere positive Risiken gleichzeitig einzugehen. Gerade im Finanzbereich lernt man früh, Risiken zu analysieren und sorgfältig abzuwägen. Das ist wichtig. Manchmal führt dieser Blick jedoch dazu, dass man vor allem die möglichen Nachteile wahrnimmt. Dabei lohnt es sich, auch die andere Seite zu betrachten: Welche Chancen entstehen, wenn ich den Schritt wage?
Mein Fazit
Mut bedeutet für mich heute nicht, furchtlos zu sein. Mut bedeutet, anzufangen, obwohl man den Ausgang nicht kennt. Denn fast jedes Projekt beginnt mit Unsicherheit. Der
Unterschied besteht oft nur darin, dass manche Menschen trotzdem den ersten Schritt gehen. Und nach Rückschlägen weitermachen. Meine wichtigste Erkenntnis aus Alltag und Beruf ist: Die größte Sicherheit entsteht nicht dadurch, nichts zu wagen. Sie entsteht dadurch, die Erfahrung zu machen, dass man Rückschläge überstehen und trotzdem weitermachen kann.

